letzte Änderung: 2009-05-01 18:10:36

Die Angst vor Reformen

Veränderungen machen Angst, das ist nur natürlich, besonders bei Verteilungskämpfen. Der Vorteil beim Konzept der fairen Gesellschaft ist, dass es die Verteilungskämpfe nicht entscheidet, sondern lediglich die Regeln dafür vorgibt und damit Chancengleichheit garantiert. Wie die Verteilungskämpfe ausgehen, liegt dann an der Gesellschaft selbst.

Die Herausforderung

Die Zukunft wird uns vor enorme Herausforderungen stellen:

  • Die enormen Staatsschulden werden abzutragen sein.
  • Dem Gesundheitswesen droht der Infarkt.
  • Immer mehr Rentner werden von immer weniger Beitragszahlern finanziert werden müssen.

Wenn es nicht gelingt, jetzt die Fehlentwicklungen der sozialen Marktwirtschaft zu korrigieren, dann werden diese Herausforderungen nicht zu bewältigen sein. Davon sind nicht nur die nachfolgenden Generationen betroffen, sondern auch die gegenwärtige Generation wird als die zukünftigen Rentner unter den Folgen zu leiden haben.

Es liegt also in unserem unmittelbaren Interesse, jetzt Reformen vorzunehmen.

Der Verteilungskampf

Die Tatsache, dass die Staatsschulden permanent steigen, zeigt, dass wir über unsere Verhältnisse leben. Es ist also notwendig, kürzer zu treten. Wie das geschieht, entscheidet sich in verschiedenen Verteilungskämpfen.

Diese Kämpfe können auf zwei Arten entschieden werden:

  • politisch, also durch Macht
  • oder marktwirtschaftlich, also durch Interessenausgleich

Werden die Verteilungskämpfe durch Macht entschieden, so werden sich die Verlierer immer benachteiligt fühlen. Diese Lösung kann also letztendlich keinen inneren Frieden bringen.

Das Konzept der fairen Gesellschaft ermöglicht es, die Verteilungskämpfe marktwirtschaftlich zu entscheiden. Die faire Gesellschaft garantiert, dass jeder dieselben Chancen bekommt, und dass die Verteilungskämpfe fair ausgetragen werden. Damit liegt es dann in der Macht des einzelnen, seine eigenen Prioritäten zu setzen und das beste aus seinem Leben zu machen.

Solon oder Sulla?

Die Geschichte der Menschheit zeigt, dass tiefgreifende Reformen durchaus gelingen können. Solon führte Anfang des 6. Jahrhunderts vor Christus solche Reformen durch und bewahrte den Stadtstaat Athen vor dem Infarkt.

Die Geschichte zeigt aber auch, was passiert, wenn es nicht gelingt, notwendige Reformen rechtzeitig durchzuführen. So wurde im antiken Rom Sulla zum Diktator gemacht, der sich mit Hilfe von Korruption und Todeslisten an der Macht hielt, während er versuchte, das römische Staatswesen zu reformieren.

Der Übergang zur fairen Gesellschaft ist eine Reform in dem Ausmaß der Reformen Solons. Aber anders als dessen Reformen entscheidet sie die Verteilungskämpfe nicht selbst, sondern garantiert nur deren Fairness. Die Verteilungskämpfe werden durch die Bürger selbst entschieden.

Gelingt der Übergang zur fairen Gesellschaft nicht, so werden die Verteilungskämpfe eines Tages durch Macht entschieden werden. Das lehrt uns die Geschichte.

Wenn es uns nicht gelingt, heute Reformen nach dem Vorbild Solons durchzuführen, so ist zu befürchten, dass in einigen Jahrzehnten ein anderer Reformen nach dem Vorbild Sullas durchführen wird.

Die soziale Marktwirtschaft hat bereits zu viele Profiteure:

  • Die Einkommen, die zu gering besteuert werden.
  • DieerwerbsfähigenRentner, die auf Kosten anderer leben, obwohl sie für sich selbst sorgen könnten.
  • Die Leistungsanbieter und die Versicherten im Gesundheitswesen, die eine Kranken- und Pflegeversicherung plündern, die auf die Kosten, die sie bezahlen muss, keinen Einfluss hat.
  • Alle diejenigen, die Sozialleistungen missbrauchen, sei es die Sozialversicherung oder die Sozialhilfe, ohne Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

Dabei ist den Profiteuren gar nicht mal ein Vorwurf zu machen, da die soziale Marktwirtschaft die Rahmenbedingungen setzt, mit denen jeder zurecht kommen muss, und diese Rahmenbedingungen fördern nun einmal die genannten Verhaltensweisen.

Die Entscheidung für die faire Gesellschaft allein ist bereits eine Frage der Fairness.

Deshalb wird es schwer sein, die nötigen Mehrheiten zu bekommen. Man kann nur auf die Vernunft und die Einsicht hoffen, dass wir letztendlich alle verlieren werden, wenn die Reform nicht gelingt, und es sich lohnt, heute auf Privilegien zu verzichten, um die Zukunft zu gewinnen.